Erfahrungsberichte

Luisa hat im Herbst 2013 ein dreimonatiges Auslandspraktikum in Kamerun absolviert. Hier ihr Erfahrungsbericht:

La vie facile ou la vie rapide – Erfahrungsbericht von Luisa 

Ich war von August bis Oktober 2013 in Yaoundé, Kamerun. Ich habe in einer Gastfamilie gelebt. Am Collège Jean-Tabi habe ich ein Praktikum im Deutschunterricht gemacht. Ich hatte in Yaoundé eine erlebnisreiche und erfahrungsreiche Zeit. Ich habe viel über die Kultur, die Menschen, aber auch über mich selber gelernt und bin froh und dankbar, dass ich diese Zeit erleben durfte. In meiner Familie hatte ich zwei kleine Schwestern und zwei große, einen großen Bruder, Eltern und viele Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins. In Kamerun gehören viele Menschen in die Familie, oft ohne wirklich verwandt zu sein. Tanten und Onkel sind meistens Freunde der Eltern und ihre Kinder somit Cousinen und Cousins. Ich finde das sehr schön, auch ich wurde als Familienmitglied angesehen und habe mich auch so gefühlt. In meiner kamerunischen Familie war ich glücklich und habe mich sehr wohlgefühlt. Eine meiner Beobachtungen war, dass sich die Kameruner und Kamerunerinnen mehr Zeit lassen. Vielleicht, weil sie mehr Zeit haben; vielleicht, weil ihnen Möglichkeiten fehlen. Zum Beispiel hat meine Familie den ganzen Samstagvormittag damit verbracht, Wäsche zu waschen. Es gab keine Waschmaschine und sie hatten immer die Zeit dafür. Oft wurde ich gefragt, wie wir etwas zu Hause machen. Meistens war die Antwort darauf, dass wir eine Maschine dafür haben. Auch beim Kuchenbacken gab es keine Rührgeräte, so dauert dies länger. Meine Gastschwester sagte dazu einmal seufzend “la vie facile” (“das einfache Leben”). Ich denke jedoch, wir leben “la vie rapide” (“das schnelle Leben”). Wir nehmen uns keine Zeit, weil wir die Möglichkeit haben, unseren Samstagvormittag mit Wäsche waschen und trocknen, Kuchen backen und Staubsaugen voll zu stopfen. In Deutschland müssen wir viel schaffen und möglichst viel erledigen. In Kamerun geht es nach meinen Erfahrungen nicht so sehr ums “Schnell-Viel-Schaffen-Glück”. Die Zeit hat eine andere Bedeutung. Das ist ein kleiner Eindruck meiner Erfahrungen aus Kamerun. Ich hatte eine tolle Zeit und bin eine Kamerun-Infizierte, wie die meisten, die einmal dort waren.