Bildungsfahrt Hamburg --> Ebolowa
Auf kolonialen Spuren in Ebolowa und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
In der Historie von NetzWIRkung und EduNeC spielt die Auseinandersetzung mit kolonialen Spuren, der Umgang mit dem kolonialen Erbe und der aktuelle Diskurs um Identität und Zugehörigkeit eine zentrale Rolle und wurde insbesondere in den Austauschbegegnungen durch den Fokus auf die koloniale Spurensuche von Lehrkräften und Schüler*innen intensiv thematisiert.
Bildungsfahrt Ebolowa --> Hamburg
On Deconstruction: Dekolonialisierung als Aufgabe postkolonialer Gesellschaften
Das Konzept selbst wird dabei von den Lehrkräften aus Kamerun und Deutschland gemeinschaftlich und kooperativ entwickelt, organisiert, durchgeführt und evaluiert. Es werden zusätzlich bereits bestehende Vernetzungen zu in Hamburg ansässigen kamerunischen NGOs akquiriert und diese Perspektiven ebenfalls einbezogen. Ehemalige Bildungsfahrtler*innen, Angehörige des Vereins, Lehrkräfte und Schüler*innen an den teilnehmenden Schulen sind ebenfalls eingeladen, den Aktionen beizuwohnen und diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu begleiten.
Zusammengefasst bildet das Konzept einen Rahmen, der aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse aufgreift und eine Vertiefung der thematischen Schwerpunkte in Projektformaten ermöglicht. Die Inhalte der einzelnen Schulprojekte ergeben sich aus der gemeinsamen Abstimmung der jeweiligen kamerunisch-deutschen Lehrkräfte-Tandems sowie aus den entsprechenden Interessen der beteiligten Schüler*innen.
Zu den Zielen
Die Ziele des Projektes werden unsererseits wie folgt definiert:
- Förderung der Völkerverständigung, des globalen Lernens und der gemeinsamen Verantwortung für die „Eine Welt“ durch den persönlichen Kontakt.
- Schaffung eines Bewusstseins für Themen der Entwicklungszusammenarbeit, des Kulturaustauschs und der Bildung, hier insbesondere der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte – Rolle des Kolonialismus in der Entstehung von postkolonialen Staaten und Gesellschaften
- Zusammenhang von Kolonialismus und Rassismus sowie den Auswirkungen auf die Gegenwart.
- Identifizieren und Beurteilen des kolonialen Erbes.
- Verständnis der Auswirkungen der Kolonialgeschichte auf aktuelle Konflikte, soziale Ungleichheiten und aktuelle Entwicklungsherausforderungen.
- Diskussion von BNE und der Rolle von gesellschaftlichen Akteuren, insbesondere von Schule.
- Planung, Durchführung, Präsentation, Dokumentation und Evaluation der Schulprojekte.
- Nachhaltige Verankerung des Themenkomplexes in Schule und Unterricht.
Abschlussveranstaltung
Wie sprechen wir über Rassismus - und wie lernen wir darüber zu sprechen?
Diesen Fragen widmet sich die Abschlussveranstaltung des Projekts „On Deconstruction – Dekolonialisierung als Aufgabe postkolonialer Gesellschaften“ am 3. September 2026, 18:00-21:00 Uhr im Curiohaus (Raum A) der GEW Hamburg.
Das Projekt verbindet seit seiner Entstehung Bildungsarbeit und internationale Begegnung. Gemeinsam mit Lehrkräften und Schüler*innen aus Kamerun und Deutschland wurden verschiedene Schulprojekte entwickelt und durchgeführt, die sich mit kolonialen Spuren, Identität, Zugehörigkeit und interkulturellen Perspektiven beschäftigen. Dabei geht es nicht allein darum, Wissen über Kolonialismus und Rassismus zu vermitteln. Vielmehr sollen die eigenen Perspektiven hinterfragt, unterschiedliche Erfahrungen sichtbar gemacht und Möglichkeiten für eine diskriminierungssensible Bildungsarbeit entwickelt werden.
Die Abschlussveranstaltung führt diese verschiedenen Perspektiven zusammen. Diana Dua wird aus ihrem Buch „Zeilen gegen das Unbehagen“ lesen und anschließend mit den Besucherinnen und weiteren Gesprächspartnerinnen darüber sprechen, wie wir über Rassismus und koloniale Geschichte sprechen können – und wie wir lernen können, solche Gespräche auch über unterschiedliche Alters- und Erfahrungshorizonte hinweg zu führen. Im Anschluss wird es beim „Marktplatz der Projekte“ die Möglichkeit geben, die Ergebnisse der gemeinsamen Schulprojekte kennenzulernen. Die beteiligten Lehrkräfte und Schüler*innen zeigen unter anderem entstandene Materialien, Fotos und weitere Ergebnisse und stehen für Gespräche zur Verfügung. So werden die Erfahrungen der Bildungsfahrt nicht nur präsentiert, sondern können gemeinsam weitergedacht und diskutiert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorstellung eines kolonialen Stadtrundgangs durch Hamburg, der im Rahmen des Projekts entstanden ist. Hamburg war in besonderem Maße in koloniale Handels- und Wirtschaftsstrukturen eingebunden. Der Rundgang macht einige dieser Spuren sichtbar und eröffnet die Möglichkeit, sich mit der kolonialen Geschichte der Stadt und ihren Verbindungen zur Gegenwart auseinanderzusetzen. Zum Abschluss kommen unsere kamerunischen Bildungsfahrtler*innen selbst zu Wort. In einem offenen Gespräch berichten sie von ihren Erfahrungen in Hamburg, von Begegnungen und gemeinsamen Lernprozessen und davon, was sie aus der Zeit mitnehmen. Damit wird auch die Perspektive sichtbar, die für das gesamte Projekt zentral ist: Eine Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte und Rassismus kann nicht aus nur einer Perspektive erfolgen.
Die Veranstaltung möchte dabei keine fertigen Antworten liefern. Sie soll vielmehr einen Raum schaffen, in dem Fragen gestellt, Erfahrungen geteilt und unterschiedliche Perspektiven miteinander in Verbindung gebracht werden können. Denn antirassistische Arbeit beginnt nicht erst mit dem richtigen Wissen, sondern auch mit der Bereitschaft, zuzuhören, die eigene Perspektive zu hinterfragen und miteinander im Gespräch zu bleiben.
Wir laden alle Interessierten herzlich ein, diesen Abend mit uns zu gestalten, die Projektergebnisse kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.