Vernetzung über Grenzen hinweg: Ein interkultureller Schulaustausch zwischen Hamburg (Deutschland) und Bafoussam (Kamerun)

Der interkulturelle Austausch ist eine der wertvollsten Erfahrungen, die junge Menschen machen können. Er fördert das gegenseitige Verständnis, stärkt die Verbindungen zwischen verschiedenen Kulturen und öffnet Türen zu neuen Perspektiven. In dieser Hinsicht bildet die Partnerschaft zwischen der Winterhuder Reformschule Hamburg (Deutschland) und dem Lycée Bilingue de Bafoussam (Kamerun) ein herausragendes Beispiel.
Initiiert wurde diese Partnerschaft im Frühjahr 2024 von Heino Schäfer, dem Abteilungsleiter der Oberstufe in Winterhuder Reformschule in Hamburg. Seine Kollegin Dr. Elena Jenssen profitierte dann von einer im März desselben Jahres von dem Verein Netzwirkung e.V. organisierten Bildungsreise nach Kamerun, um mit der Schulleiterin vom Lycée bilingue de Bafoussam über das Projekt zu sprechen. Die Idee wurde mit offenen Ohren empfangen. Infolgedessen schrieb die Schulleiterin vom Lycée bilingue de Bafoussam eine Mail an die Leitung der Winterhuder Reformschule, um die Hamburger Schüler*innen und Lehrer*innen zu einem Besuch in Kamerun einzuladen. So kam es zur ersten Begegnung vom 1. bis zum 14. September 2024, wobei folgende Fragestellungen den Austausch orientierten: Was ist mir wichtig? Was bedeuten Familie und Freunde für mich? Welche Aspekte meiner Kultur sind mir wichtig? Wie war es mit meinen Eltern und Großeltern, als sie noch jung waren? Wie könnte ich das mit anderen teilen?
Während des zweiwöchigen Besuchs der Hamburger Schüler*innen und Lehrer*innen in Bafoussam standen gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund, die das interkulturelle Lernen förderten. Die Gäste konnten durch eine Führung im Lycée Bilingue de Bafoussam und durch Unterrichtsbesuche einen Einblick gewinnen, wie die Schule in Kamerun aussieht. Besonders spannend war der Besuch des „Village Artisanal“ in Bafoussam, bei dem die Schüler*innen und Lehrer*innen einige lokale Kunstwerke besichtigen konnten. Die Generationeninterviews und die Ausflüge nach Dschang und Foumban boten ihnen die Möglichkeit, in die Geschichte und Traditionen der Region einzutauchen. Das „Musée des Civilisations“ in Dschang, der Königspalast in Foumban und die lokalen Handwerksdörfer waren Fenster in die reiche Kultur kamerunischer Ethnien.
Neben den kulturellen Besuchen stand vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Ob beim Sport, beim Besuch der Familien in Bafoussam oder während des gemeinsamen Supermarktbesuchs – die Schüler*innen aus beiden Ländern hatten unzählige Gelegenheiten, persönliche Kontakte zu knüpfen. Darüberhinaus konnten sie mit- und voneinander lernen. Der Höhepunkt war sicherlich die gemeinsame Ausstellung vor der Rückreise der deutschen Partner mit dem Motto „On est ensemble“ – „Wir sind zusammen“, die die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Schulen und Kulturen symbolisierte.
Die Freude auf den Gegenbesuch im Sommer 2025 in Hamburg war bereits groß. Beide Seiten waren gespannt, wie sich der Austausch fortsetzen wird, und freuten sich auf neue Erlebnisse in Deutschland. So setzten die Leitungen der beiden Schulen mithilfe der Lehrkraft alles in Gang, damit die zweite Begegnung Realität werden konnte.
Der Gegenbesuch fand vom 30. Juni bis zum 14. Juli 2025 in Hamburg statt, und zwar mit dem Thema „Unsere Perspektiven“ und Orientierungsfragen, u.a. welches sind meine kulturellen Schätze? Welche Ängste und Sorgen habe ich? Was ist mein Lieblingsort in meiner Stadt? Wie möchte ich meine Zukunft gestalten? Was hilft, damit Menschen sich besser verstehen? Die Kameruner*innen wohnten bei ihren deutschen Tandempartner*innen, was ihnen ermöglichte, den Alltag deutscher Familien zu erleben und ihre Kultur zu entdecken. Während des Aufenthalts nahmen sie am Unterricht teil, was ihnen einen Einblick in die Arbeit an der Winterhuder Reformschule gab. Diskussionen in der gesamten Gruppe über das Projekt sorgten für die Verstärkung der Bindungen. Es gab auch zahlreiche Ausflüge und Besuche von mehreren emblematischen Orten wie dem Elbtunnel, dem Bunker, der Elbphilharmonie. Der Ausklang der zweiten Begegnung in Hamburg war wie bei der ersten in Bafoussam eine Ausstellung mit Bildern, Texten und wichtigen Dingen, die vergangenes und gegenwärtiges Leben beleuchten und Wünsche für die Zukunft ausdrücken.
Zur Nachbereitung: Am Ende der jeweiligen Ausstellungen beteiligten sich die Besucher*innen aktiv, indem sie ihre Beiträge auf den Plakaten notierten. Die Schüler*innen selbst äußerten sich über die beiden Begegnungen, z.B. die Schülerinnen Lowe Tchienang Emmanuelle:

Ziel des Programms war es, unsere sprachlichen, historischen und kulturellen Kenntnisse zu vertiefen und gleichzeitig die Integration in einem internationalen Umfeld zu fördern. In Bafoussam waren wir in einem gemeinsamen Haus und in Hamburg in Gastfamilien untergebracht, was den kulturellen und sprachlichen Austausch sowie den Dialog zwischen den Teilnehmer*innen erleichterte. Während der Austauschbegegnungen haben wir viel gelernt, insbesondere durch die verschiedenen Ausflüge zu Museen, Rathäusern und auch Universitäten. Wir haben viele interkulturelle Erfahrungen machen können. Dieser Austausch war geprägt von den schönen gemeinsam verbrachten Momenten, sei es am Tisch, bei Spielen, Ausflügen, mit den Familien oder einfach nur zu zweit. Die Zeit in Hamburg und Bafoussam ermöglichte es uns, neue Lebensweisen, neue kulturelle Werte, neue Gewohnheiten zu entdecken und vor allem die Fremdsprache Deutsch weiter zu lernen. Neben all den oben genannten Vorteilen ermöglichte uns dieses Programm auch, uns in eine andere Realität hineinzuversetzen und unsere Familien kennenzulernen. Dieses Programm ist und bleibt für mich eine außergewöhnliche Erfahrung voller Entdeckungen, Austausch und wunderbarer Begegnungen, die mir für immer in guter Erinnerung bleiben werden.

Eine weitere Schülerin, Djohou Takep Prisca, fasst die Begegnung so zusammen:

Wir alle haben unsere Ferien sehr genossen, dank dieses Austauschs. Ich persönlich war sehr glücklich, daran teilzunehmen, weil ich neue Leute kennengelernt habe und eine neue Kultur und Lebensweise entdeckt. In meiner Gastfamilie habe ich mich sehr wohl gefühlt und zwei unvergessliche Wochen mit wunderbaren Menschen verbracht. Die Stadt, in der man lebt, ist sehr schön und sauber. Es war auch schön, neue Leute in unserem Land, unserer Stadt und unserer Schule willkommen zu heißen, besonders in meiner Familie. Allerdings hatten wir einige Schwierigkeiten wegen der Sprache und ich persönlich fand beide Aufenthalte zu kurz. Es war aber insgesamt eine großartige Erfahrung für mich.

Zur Nachbereitung gehörte auch eine kurze Rede von mir bei dem Ausklang in Hamburg:

Es freut uns sehr, dass wir mit unserem Projekt bis zu diesem Punkt gekommen sind. Die Schüler*innen haben einen Einblick in das Leben in Deutschland oder in Kamerun bekommen, und zwar durch die Arbeit mit dem Thema „On est ensemble“. Sie haben durch Generationeninterviews Informationen aus der Vergangenheit recherchiert. In Gesprächen haben sie die Gegenwart erforscht. Sie haben zusammen in die Zukunft geschaut, und zwar durch die Arbeit mit dem Thema „Unsere Perspektiven“. Jetzt können sie wirklich zusammenwachsen. All dies konnte erfolgen dank der Vorkehrungen, die die Winterhuder Reformschule getroffen hatte. Wir danken herzlich dafür. Ein besonderer Dank geht an die Eltern und die Partnerorganisationen. Wir versprechen, uns weiter einzubringen, damit auch zukünftig Austauschbegegnungen stattfinden können.

Ein Gespräch über die Zukunft der Partnerschaft rundete die Nachbereitung ab. An diesem Gespräch nahmen folgende Personen teil: Heino Schäfer (Abteilungsleiter Oberstufe der Winterhuder Reformschule), Dieudonné Tchouata (stellvertretender Schulleiter des Lycée bilingue de Bafoussam), Dr. Elena Jenssen (Lehrerin mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Winterhuder Reformschule) und Charlotte Djofang (Leiterin der Deutsch Fachschaft am Lycée bilingue de Bafoussam).
Festzuhalten bleibt: Dieser interkulturelle Austausch zeigt, dass wir durch Begegnung und Zusammenarbeit nicht nur unsere Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch als Gemeinschaft wachsen können – unabhängig von geografischen oder kulturellen Unterschieden.
Dieudonné Tchouata (stellvertretender Schulleiter des Lycée bilingue de Bafoussam)

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